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Stiftung Tragwerk

Wir beraten, unterstützen, fördern und pflegen.

Geschichte

Entstehung der Stiftung Tragwerk

Zum 1. Juli 2008 haben die beiden traditionsreichen Stiftungen Paulinenpflege Kirchheim und Wächterheim fusioniert und sich einen neuen Namen gegeben: Stiftung Tragwerk.

Unsere diakonische Einrichtung bietet ein breit gefächertes Leistungsangebot an und ist Träger sehr individueller, flexibler und dezentraler Hilfen: ambulante und stationäre Erziehungshilfen, Tagesgruppen und Soziale Gruppenarbeit, Flexible Einzelfallhilfe, Altenhilfebereich Wächterheim, Janusz-Korczak-Schule (Schule für Erziehungshilfe), Sonderberufsfachschule, Psychologische Beratungsstelle, Kindertagesstätten sowie viele unterschiedliche Projekte.

An über 50 Außenstellen und den beiden Stammsitzen sind mehr als 380 Mitarbeitende der Stiftung Tragwerk für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren helfende und unterstützende Partner in allen Lebenslagen.

Geschichte der Stiftung Paulinenpflege Kirchheim

Die soziale Lage der Menschen im Königreich Württemberg war Anfang des 19. Jahrhunderts sehr schlecht. König Wilhelm I. und seine Frau Katharina bemühten sich um die Verbesserung, wobei hier der von ihr gegründete Wohltätigkeitsverein besondere Bedeutung gewann. Die Gedanken und das praktische Engagement der Königin bei der Lösung sozialer Probleme fiel dabei auf fruchtbaren Boden.

Die 1780 in Basel gegründete „Deutsche Christentumgesellschaft“ bemühte sich um eine Intensivierung des religiösen Lebens in Württemberg. Durch die Ausbildung von Armenlehrern und die Unterbringung von Armen erfolgte bereits 1815 eine Hinwendung zu pädagogischen Aufgaben. Somit entstand der Grund für die so genannte „Rettungsbewegung“, der sich Königin Pauline verschrieben hatte.

Die am 08. Mai 1826 in Kirchheim gegründete Paulinenpflege war eines der ersten „Rettungshäuser“ Württembergs und damit heute die 5 älteste württembergische Rettungsanstalt. Vorbild für dieses „Institut für verwahrloste Kinder“, war das Stuttgarter Waisenhaus, das die Herzogin ebenfalls gegründet hatte.  Zur Unterbringung der Kinder konnte das Oberamt am 03. November 1825 das Haus am Schlossplatz (heute Nr. 14) erwerben. Zu Beginn waren bereits 18 Kinder aufgenommen worden, davon 6 aus Kirchheim und 12 aus den Gemeinden Dettingen, Notzingen, Ochsenwang, Ötlingen, Rosswälden, Schlattstall, Ober- und Unterlenningen, Zell und Weilheim.  Die Leitung und Aufsicht führte ein Ausschuss des Oberamtes, das spätere Komitee der Paulinenpflege.

Zuerst wurden die Kinder zum Unterricht in die Volksschule geschickt. Drei Jahre später erwies es sich als pädagogisch sinnvoller,  die Kinder in der Paulinenpflege selbst zu unterrichten. 1829 konnte die Paulinenpflege hierfür das Nebengebäude (heute Schlossplatz 16) erwerben. Der große Bedarf erforderte 1841 den Umzug in das heutige Johannes-Busch-Gemeindehaus (heute Eckpunkt, Alleenstraße 74). Durch die vorhandenen Äcker war auch die Möglichkeit geschaffen, die Jungen auf ihr späteres Berufsleben vorzubereiten.

Von dort siedelte die Paulinenpflege dann 1958 zum jetzigen Standort im Osten Kirchheims um. Im Zuge der Weiterentwicklung der Heimerziehung wurde 1964 der landwirtschaftliche Bereich aufgelöst, eine Turnhalle und ein Lehrschwimmbecken gebaut und wenige Jahre später neue Gruppenhäuser nach den neusten pädagogischen Gesichtspunkten errichtet.

Eine psychologische Beratungsstelle erweiterte das Hilfsangebot der Einrichtung. Ende der 80er Jahre vergrößerte sich die Schule für Erziehungshilfe durch eine Kooperation mit dem Landkreis Esslingen. In den Jahren 1989 und 1991 erfolgten dann die Eröffnungen der lebensfeldorientierten Tagesgruppen.

zur Timeline der Paulinenpflege Kirchheim

Geschichte des Wächterheims

Im Jahr 1894 gründete die Freifrau von Wächter zusammen mit anderen Christen, die auch das diakonische Handeln der Kirche als Ausdruck ihres Glaubens verstanden, ein „Versorgungshaus für erstmals Mutter werdende Mädchen“, das am 27. November in einer kleinen Feier in der Schlierbacher Straße in Kirchheim eingeweiht wurde.

Das Versorgungshaus sollte eine Zufluchtsstätte für junge Mädchen in besonderer Notlage sein. Im ersten Jahr fanden so 14 Mädchen für sich und die neugeborenen Kinder ein vorübergehendes Zuhause.  Bis zu einem halben Jahr konnten die Mädchen im Haus verweilen und lernten hier nach der Geburt ihre Kinder selbst zu versorgen. Die Möglichkeit, ihre Kinder noch für eine Zeit im Haus zu lassen, war der Beginn des Kinderhauses.

In den ersten 10 Jahren wurden 210 Kinder im Versorgungshaus geboren. Die Nachfrage wuchs stetig und man musste Wohnmöglichkeiten schaffen, da die Mädchen nach ihrer Betreuungszeit noch eine Weile im Heim leben wollten, um von hier aus der Arbeit in den Kirchheimer Fabriken nachgehen zu können.  Zu dieser Zeit hatte das Versorgungshaus Plätze für 25 bis 30 junge Mütter und ihre Kinder, 15 Plätze für Kinder bis zu 5 Jahren, 10 Plätze im Waschhaus und einen Ziegen-, Schweine- und Hühnerstall.

Nach dem Ersten Weltkrieg nahm 1918 eine Schwester aus dem Diakonissenhaus in Schwäbisch Hall als Hausmutter ihre Arbeit auf. In den nächsten 55 Jahren gestalteten die Schwestern aus ihrer gemeinsamen christlichen Grundhaltung heraus das Leben im Wächterheim.  Im Jahr 1926 fasste der Verwaltungsrat den Bau eines Säuglings- / Kinderheimes ins Auge und eröffnete dieses im Jahr 1927.

In der Zeit des Zweiten Weltkrieges nahm die Zahl der Betreuung von Mädchen ständig ab und die Entbindungsstation für Frauen aus der Umgebung war geöffnet worden.  In den Jahren 1935 / 1936 verzeichnete man hierbei 120-125 Geburten, wobei nur noch 25% auf Mädchen und 75 % auf Frauen entfiel.
Die Entwicklung zum Entbindungs- und Wöchnerinnenheim setzte sich auch 1942 fort. 204 Kinder wurden geboren, davon 32 von Mädchen und 172 von Frauen. Die Belegung des Hauses, vor allem durch die Aufnahme evakuierter Frauen, hatte 1943 die Kapazität zum Teil gesprengt. Das 50-Jährige Jubiläum blieb auf Grund der Beschlagnahmung des Kinder- und Mädchenheimes durch den Staat aus. Das Säuglingskrankenhaus und Pflegerinnenschule Stuttgart wurden in die Räume eingewiesen und nur das Entbindungsheim blieb von der Beschlagnahmung ausgenommen. Für 49 Kinder des Wächterheims musste nun eine neue Bleibe gefunden werden. Nach der verherrenden Bombennacht vom 19. / 20. Oktober 1944 mussten weitere 40 Säuglinge aufgenommen werden. Am 20. April 1945 wurde Kirchheim von amerikanischen Truppen besetzt, wobei die Amerikaner dem Wächterheim sehr positiv gegenüber standen und mehrfach Frauen zur Entbindung ins Haus einwiesen. Im Oktober 1945 erhielt das Wächterheim dann die beschlagnahmten Gebäude zurück, wodurch wieder Kinder aufgenommen werden konnten.

Zwischen 1949 und 1951 ging die Zahl der Geburten durch die Eröffnung der Entbindungsstation im Kreiskrankenhaus Kirchheim stark zurück. Dies führte 1954 zum Beschluss des Ausbaus des Kinderhauses.

1959 wurden die Küche, der Speisesaal und die Wohnräume neu gestaltet und Ostern 1960 bereits bezogen. Die Einweihungsfeier erfolgte in Verbindung mit dem Umbau des Kinderhauses am 08. Oktober 1961. Ein Neubau 1964 bestehend aus zwei Gebäudeteilen zur Unterbringung von Mädchen, schuf die Voraussetzung für die Aufnahme der später in Familiengruppen aufgeteilten Kindern.

1967 konnte das Wächterheim seinem ursprünglichen Dienst als Zufluchtsstätte für ledige schwangere Mädchen nicht mehr nachkommen. So erfolgte am 07. Juni 1967 der Grundsatzbeschluss, dass das Wächterheim künftig Kinder- und Altenheim sein sollte.

1968 bestand das Heimleben nun aus zwei Bereichen, wobei Verwaltung und Hauswirtschaft beide bediente. Durch den Wegfall der Mädchenbetreuung stieg das Durchschnittsalter der nun von Sozialbehörden eingewiesenen Jungen und Mädchen stetig.  Sie sollten durch das Gemeinschaftsleben die Chance bekommen zu selbstverantwortlichen, gemeinschaftsfähigen Menschen heran zu wachsen. 1966 wurden aus dem damaligen Kinderheim Wohngruppen mit je 8 Kinder gebildet und ein Kindergartenraum stand den Vorschulkindern zur Verfügung.
Seit dem Herbst 1968 fanden 12 betagte Menschen im 2. Stock des Haupthauses ihr Zuhause und die Räume im 1. Stock wurden zur Belegung mit Patienten für eine orthopädische Arztpraxis geöffnet. Dies war aber nur ein vorübergehender Zustand bis 1977, als eine Abteilung zur Aufnahme und Pflege von Menschen mit Altersschwäche, die auf eine völlige Betreuung angewiesen waren, eröffnet wurde.

Im Jahr 1988 beschloss der Verwaltungsrat den Neubau des Pflegeheimes mit 40 Betten.

Bis in die 80ger Jahre verband man mit dem Namen Wächterheim immer nur die Gebäude in der Schlierbacher Straße, wobei seither auch Arbeitszweige räumlich über das Stammhaus hinaus wuchsen. So wurden Betreuungsstätten auch außerhalb des Heims eingerichtet. Dazu gehörte der 1985 gegründete Arbeitszweig „Betreutes Wohnen“ für Jugendliche im Übergang zur Selbstständigkeit. 1988 erfolgte die Gründung der Tagesgruppe in Ebersbach und 1989 der Außenwohngruppe in Reudern, 1991 in Neckartenzlingen und 1994 in Nürtingen.

zur Timeline des Wächterheims